node created 2019/09/29
Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verr├Ąt in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein k├Ânnte, indem er sonst nicht zu dem greifen w├╝rde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende pers├Ânliche Vorz├╝ge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie best├Ąndig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erb├Ąrmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein k├Ânnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angeh├Ârt, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit H├Ąnden und F├╝├čen zu verteidigen.
Der effektivste Weg, Demokratie zu beschr├Ąnken, ist das Treffen von Entscheidungen von der ├Âffentlichen Sph├Ąre hin zu Institutionen zu verlagern, die nicht zur Rechenschaft gezogen werden k├Ânnen: K├Ânige und Prinzen, Priesterkasten, Milit├Ąrjuntas, Parteidiktaturen, oder moderne Unternehmen.
Dem verachtetstem Proletarier ist die Vernunft gegeben. Er ist weniger allein als der, der ihn verachtet und dessen Platz immer kleiner wird, der unabdingbar immer einsamer und einsamer wird, immer ohnm├Ąchtiger. Ihre Schm├Ąhung kann uns nicht treffen, so wenig wie sie den Alpdruck greifen k├Ânnen, den wir in ihrem Kopf verursachen: immer wieder geleugnet, sind wir nach wie vor da.
"Das Menschengeschlecht"
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Der Mensch, welcher nicht zur Masse geh├Âren will, braucht nur aufzuh├Âren, gegen sich selbst bequem zu sein; er folge seinem Gewissen, welches ihm zuruft: "Sei du selbst! Das bist du alles nicht, was du jetzt tust, meinst, begehrst."

Jede junge Seele h├Ârt diesen Zuruf bei Tag und bei Nacht und erzittert dabei; denn sie ahnt ihr seit Ewigkeiten bestimmes Ma├č von Gl├╝ck, wenn sie an ihre wirkliche Befreiung denkt.
In den Vereinigten Staaten ist das politische System nur am Rande von Bedeutung. Es gibt zwei sogenannte Parteien, aber sie sind in Wirklichkeit Fraktionen der gleichen Partei, der Gesch├Ąftspartei. Beide repr├Ąsentieren eine Reihe von Gesch├Ąftsinteressen. Sie k├Ânnen sogar ihre Positionen um 180 Grad wenden, ohne dass es ├╝berhaupt jemand merkt.
Interview mit Adam Jones, 20. Februar 1990
Der Leser, von dem Sie sprechen, ist eine mythologische Figur, wie das Lieschen M├╝ller des deutschen Films. Eine Figur, die freilich sehr real ist. Aber dieser Leser ist kein Naturereignis: er wird gez├╝chtet.
Indoktrination ist keineswegs inkompatibel mit der Demokratie. Vielmehr ihre Essenz. Ohne Kn├╝ppel, ohne Kontrolle durch Gewalt muss man das Denken kontrollieren. Dazu greift man zu dem, was in ehrlicheren Zeiten Propaganda genannt wurde.
Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, da├č ihre Gegner ├╝berzeugt werden und sich als belehrt erkl├Ąren, sondern vielmehr dadurch, da├č ihre Gegner allm├Ąhlich aussterben und da├č die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist.
Sie werden ihres Hassens und W├╝tens satt und haben auf einsamer Strasse Licht-Gesichte, die ihnen zureden: "Warum nicht endlich lieben!" Es gibt eine so s├╝├če Wut der Liebe.
Heimat trage ich immer bei mir. Sie liegt mehr oben. Also im Himmel, zwischen zwei Sternen.
Die Werke, die der Mensch von innen wirkt, sind lustvoll, sowohl dem Menschen wie Gott, und sind sanft und heissen lebendige Werke. Sie sind Gott deswegen wert, weil er es allein ist, der die Werke in dem Menschen wirkt, die von innen gewirkt werden. Diese Werke sind auch dem Menschen s├╝ss und sanft, denn alle die Werke sind dem Menschen s├╝ss und lustvoll, wo Leib und Seele mit einander einhellig werden. Und das geschieht in allen solchen Werken. Diese Werke heissen auch lebendige Werke, denn das ist der Unterschied zwischen einem toten Tier und einem lebenden Tier, dass das tote Tier nur von einer ├Ąussern Bewegung bewegt werden kann, das heisst: wenn man es zieht oder tr├Ągt, und darum sind alle seine Werke tote Werke. Aber das lebende Tier bewegt sich selbst, wohin es will, denn seine Bewegung geht von innen aus und alle seine Werke sind lebende Werke. Recht in gleicher Weise heissen alle Werke der Menschen, die ihren Ursprung von innen nehmen, wo Gott allein bewegt, und die von dem Wesen kommen, unsere Werke und g├Âttliche Werke und n├╝tzliche Werke. Aber alle die Werke, die aus einer ├Ąusseren Ursache und nicht aus dem innern Wesen geschehen, die sind tot und sind nicht g├Âttliche Werke und sind nicht unsere Werke. Auch spricht Meister Eckhart, dass alle die Werke, die der Mensch von innen wirkt, willk├╝rliche Werke sind. Was nun willk├╝rlich ist, das ist angenehm, und darum sind alle Werke, die von innen geschehen, angenehm, und alle die Werke, die infolge ├Ąusserer Bewegung geschehen, sind unwillk├╝rlich und sind knechtisch, denn w├Ąre das Ding nicht, das von aussen bewegt, so gesch├Ąhe das Werk nicht, und darum ist es unwillk├╝rlich und knechtisch und unangenehm.
Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen.
Eine echte Nachricht hat eine genau angebbare Quelle; nicht umsonst wird sie in keiner Zeitung wiedergegeben, ohne da├č diese Quelle, da├č Zeit und Ort ihrer Entstehung angegeben w├╝rden. Nachrichten sind f├╝r Unterhaltungszwecke im allgemeinen ungeeignet, sie sind kein Genu├č-, sondern ein Orientierungsmittel.
Auf der Wartburg herrschte jener beschr├Ąnkte Teutomanismus, der viel von Liebe und Glaube greinte, dessen Liebe aber nichts anderes war als Ha├č des Fremden und dessen Glaube nur in der Unvernunft bestand, und der in seiner Unwissenheit nichts Besseres zu erfinden wusste als B├╝cher zu verbrennen!
Manchmal
liebe ich
eine Zeile
eines Gedichtes
das ich geschrieben habe
als h├Ątte ich sie geschrieben

Ich wei├č sogar
ich habe sie geschrieben
Aber das hilft mir nicht
denn ich schreibe sie jetzt nicht

Die Zeile
die ich liebe
liebt mich nicht wieder
Hast du Geld, dann hast du nicht K├Ąten;
hast du die Frau, dann fehln dir Moneten -
hast du die Geisha, dann st├Ârt dich der F├Ącher:
bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher.
"Das Ideal"
Wenn ein Gegenstand der Au├čenwelt dich mi├čmutig macht, so ist es nicht jener, der dich beunruhigt, sondern vielmehr dein Urteil dar├╝ber; dieses aber sofort zu tilgen, steht in Deiner Macht. Hat aber die Mi├čstimmung in deinem Seelenzustande ihren Grund, wer hindert dich, deine Ansichten zu berichtigen? Desgleichen, wenn du dar├╝ber mi├čmutig bist, da├č du dich nicht in einem T├Ątigkeitskreise befindest, der dir als vern├╝nftig erscheint, warum nicht lieber t├Ątig als mi├čgestimmt sein? "Aber ein Hindernis, st├Ąrker als ich, stellt sich in den Weg." So sei dennoch nicht mi├čmutig; der Grund deiner Unt├Ątigkeit liegt ja dann nicht in dir. "Aber das Leben hat keinen Wert mehr f├╝r mich, wenn das nicht ausgef├╝hrt wird." Nun, so scheide aus dem Leben, so ruhig, als wenn du es vollbracht h├Ąttest; doch vergi├č nicht, deinen Widersachern zu verzeihen.
"Selbstbetrachtungen"
Unschuld ist das Kind und Vergessen, ein Neubeginnen, ein Spiel, ein aus sich rollendes Rad, eine erste Bewegung, ein heiliges Ja-Sagen.
Ich will ja gar nichts anderes, als dass die Welt so eingerichtet wird, dass die Menschen nicht ihre ├╝berfl├╝ssigen Anh├Ąngsel sind, sondern dass, in Gottes Namen, die Dinge um der Menschen willen da sind und nicht die Menschen um der Dinge willen, die sie noch dazu selbst gemacht haben. Und dass sie sie selbst gemacht haben, dass die Institutionen schlie├člich auf die Menschen zur├╝ckweisen, das ist f├╝r mich jedenfalls ein sehr geringer Trost.
Der Stil ist die Physiognomie des Geistes. Sie ist untr├╝glicher als die des Leibes. Affektation im Stil ist dem Gesichterschneiden zu vergleichen.