node created 2019/09/29
Wem in einem anders ist als im andern und wem Gott lieber in einem als im andern ist, der Mensch ist gew√∂hnlich und noch fern und ein Kind. Aber wem Gott gleich ist in allen Dingen, der ist zum Mann geworden. Aber wem alle Kreaturen √ľberfl√ľssig und fremd sind, der ist zum Rechten gekommen.
Nur zu oft ist der Erfinder der faustische Idealist, der die Welt verbessern möchte, aber an den harten Realitäten scheitert. Will er seine Ideen durchsetzen, muß er sich mit Mächten einlassen, deren Realitätssinn schärfer und ausgeprägter ist. In der heutigen Zeit sind solche Mächte, ohne daß ich damit ein Werturteil aussprechen möchte, vornehmlich Militärs und Manager. [..] Nach meiner Erfahrung sind die Chancen des Einzelnen, sich gegen solches Paktieren zu wehren, gering.
Warum reisen wir? Auch dies, damit wir Menschen begegnen, die nicht meinen, da√ü sie uns kennen ein f√ľr allemal; damit wir noch einmal erfahren, was uns in diesem Leben m√∂glich sei.
Um die Welt empathisch zu erproben, mu√ü es dem S√§ugling zun√§chst erm√∂glicht werden, sich der Umwelt nachhaltig zuzu wenden. Dies kann nur dann geschehen, wenn seine Beziehung zur stimulierenden Umwelt durch niedrige Intensit√§tswerte gekennzeichnet ist. T. C. Schneirla betont in einer langen Folge von Arbeiten, die in der zusammenfassenden Schrift "Eine evolution√§re und entwicklungsorientierte Theorie der biphasischen Prozesse, die dem Zuwendungs‚ÄĒ und Vermeidungsverhalten zugrunde liegen" (1959), da√ü schon bei der Geburt eine primitive, zweigabelige organische Basis f√ľr sp√§tere emotionelle Sinnesstimulation existiert. Niedrige (im relativen Sinn) Stimulusintensit√§ten l√∂sen Reaktionen der Ann√§herung aus; hohe Stimulusintensit√§ten bewirken dagegen das Zur√ľckziehen. Das Differential (Unterschied) im Schwellenreiz f√ľr die Muskeln, die diese Bewegungen steuern, wird damit zur Grundlage dieser Verhaltensmuster.

Was dadurch entsteht, ist eine F√∂rderung der empathischen Vorg√§nge, vorausgesetzt, da√ü zwischen S√§ugling und Mutter Zuwendung existiert. Nur dadurch, da√ü die Mutter dem Kind entgegenkommt, ist die Zufuhr der niedrigen Stimulusintensit√§ten gesichert. Das ist es, was dem Kind nicht nur sein Leben erh√§lt, sondern ihm auch die Basis f√ľr seine empathische Sinnesentwicklung gibt.

Dieses Entgegenkommen sichert dem Kind, da√ü es nicht von einem √úberma√ü an Stimulation √ľberw√§ltigt wird. J. L. Fuller (1967) zeigt zum Beispiel in seiner Arbeit √ľber Reizverminderung, da√ü ein Lebewesen nichts lernen kann, wenn es ihm unm√∂glich wird, sich in einer Stimulussituation auf wichtige Bestandteile dieser Situation zu konzentrieren, indem es andere Elemente ignoriert.

Hier haben wir die wesentliche Substanz des Lernens des Eigenen. Damit es geschehen kann, ist eine Unterscheidung notwendig. Diese kann nicht zustandekommen, wenn die innere Reaktionsbereitschaft ihren entsprechenden auslösenden Stimulus nicht finden kann.

Eine Mutter, die ihr Kind intuitiv vor Reiz√ľberflutung besch√ľtzt, legt in ihm den Grundstock, aus dem eigenen Selbst heraus lernen zu k√∂nnen. Wenn die Mutter dazu nicht in der Lage ist, wird sein Bewu√ütsein entweder von der Erfahrung der Hilflosigkeit beherrscht, die es zu einem Versager macht, oder das Gef√ľhl des Ausgeliefertseins wird verdr√§ngt und vom sich bildenden Selbst gespalten. Mit solch einer L√∂sung mu√ü alles, was an die Situation erinnert, in der die Erfahrung der Hilflosigkeit gemacht Wurde (wie zum Beispiel die empathische Erfahrung des Kindes und damit sein Menschlichsein), ausgeschaltet werden. Auf diese Weise werden ganze Teile seines angehenden Seins vom Bewu√ütsein abgespalten. Um diese Spaltung dann aufrechtzuerhalten, mu√ü Hilflosigkeit zum Objekt der Ablehnung und des Hasses werden. Sie ist es, die einen bedroht, und nicht die Situation, die sie verursacht hat. So r√§cht man sich dauernd an allem, was die eigene Hilflosigkeit hervorrufen k√∂nnte. Deswegen verachtet man Hilflosigkeit bei anderen. Dieses Verachten verbirgt die dahinter stehende eigene Angst und f√∂rdert zugleich die Haltung des Verachtens und die Notwendigkeit einer kompensierenden Ideologie der Macht und des Herrschens. Auf diese Weise treten die Opfer auf die Seite ihrer Unterdr√ľcker, um neue Opfer zu finden: ein endloser Proze√ü, durch den der Mensch verunmenschlicht wird.

Und so wird alles, was zu einem eigenen Ansatz zur Autonomie f√ľhren k√∂nnte, geha√üt. Der unabl√§ssige Drang nach Erfolg und Leistung tritt an die Stelle der Autonomie. Aber Autonomiebestrebungen werden nicht nur abgelehnt, weil sie solche Menschen an ihre eigene Unterwerfung erinnern k√∂nnten. Vielmehr ist es so, da√ü wirkliche Autonomie die Machtspiele entlarvt, an die man sich, um der Hilflosigkeit zu entkommen, angepa√üt hat. Da wir alle bis zu einem gewissen Grad solchen Vorg√§ngen unterworfen sind, ist das Resultat eine allgemeine Tendenz zur Verunmenschlichung, auch wenn wir sie als solche gar nicht wollen.
"Der Verrat am Selbst"
Zu dem Amalgam von Politischen und Verbrechern, mit dem in Deutschland wie in Ru√üland die Konzentrationslager begannen, f√ľgt sich sehr bald ein drittes Element, das bald die Majorit√§t aller Insassen bilden sollte. Diese gr√∂√üte Gruppe bestand aus Menschen, die √ľberhaupt nichts getan haben, was, sei es in ihrem eigenen Bewu√ütsein oder im Bewu√ütsein ihrer Peiniger, in irgendeinem rationalen Zusammenhang mit ihrer Haft steht. Ohne sie h√§tten die Lager niemals existieren beziehungsweise die ersten Jahre des Regimes √ľberleben k√∂nnen.

[..]

Diese in jedem Sinne vollkommen Unschuldigen bilden nicht nur die Majorit√§t der Lagerbev√∂lkerung, sie sind auch diejenigen, die schlie√ülich in den deutschen Gaskammern "ausgemerzt" wurden. Nur in ihnen konnte der Mord der juristischen Person so vollst√§ndig durchgef√ľhrt werden, da√ü sie ohne Namen und ohne Taten oder Missetaten, an denen man sie h√§tte erkennen k√∂nnen, in den Massenfabriken des Todes "verarbeitet" werden konnten, die zudem schon ihrer Fassungskraft wegen individuelle F√§lle gar nicht mehr ber√ľcksichtigen konnten. (Ein Jude etwa, der sich wirklich gegen das Naziregime "vergangen" hatte, kam dort gar nicht erst hinein, er wurde sofort erschossen oder totgeschlagen.) Die Gaskammern waren von vornherein weder als Abschreckungs- noch als Strafma√ünahme gedacht; sie waren bestimmt f√ľr Juden oder Zigeuner oder Polen "√ľberhaupt", und sie dienten letztlich dem Beweis, da√ü Menschen √ľberhaupt √ľberfl√ľssig sind.

[..]

W√§hrend die Einteilung der Insassen in Kategorien nur eine taktisch-organisatorische Ma√ünahme f√ľr die Verwaltung der Lager ist, zeigt die Willk√ľr der Einlieferungen das wesentliche Prinzip der Institution als solcher an. Die Existenz einer politischen Opposition ist f√ľr das Konzentrationslagersystem nur ein Vorwand, und sein Zweck ist nicht erreicht, wenn infolge ungeheuerlichster Abschreckung die Bev√∂lkerung sich mehr oder minder freiwillig gleichschaltet, da√ü hei√üt ihrer politischen Rechte begibt. Die Willk√ľr bezweckt die b√ľrgerliche Entrechtung aller von einem totalit√§ren Regime Beherrschten, die schlie√ülich in ihrem eigenen Land so vogelfrei werden wie sonst nur Staaten- und Heimatlose. Die Entrechtung des Menschen, die T√∂tung der juristischen Person in ihm ist die Vorbedingung f√ľr sein totales Beherrschtsein, dem selbst freie Zustimmung hinderlich ist [Damit h√§ngt zusammen, da√ü jede Propaganda und "Weltanschauungslehre" in den Lagern ausdr√ľcklich verboten waren. (Siehe Himmler, *Wesen und Aufgabe der SS und der Polizei*.) Hiermit wiederum mu√ü man zusammenhalten, da√ü Lehre und Propaganda auch f√ľr die bewachenden Eliteformationen nicht zugelassen waren; ihre Weltanschauung sollte nicht "gelehrt", sondern "exerziert" werden (Robert Ley, op. cit.)]. Und dies gilt nicht nur von speziellen Kategorien wie Verbrechern, politischen Gegnern, Juden, an denen die Sache ausprobiert wird, sondern von jedem Einwohner eines totalit√§ren Staates.
"Elemente und Urspr√ľnge totaler Herrschaft", S. 658 ff.
Was man sich jung vornimmt, das wird einem zur zweiten Natur. Zivilcourage ist f√ľr mich eine ganz wichtige, menschlich wichtige Eigenschaft. Da√ü man kein Denunziant ist, sondern da√ü man geradesteht, da√ü man sich f√ľr andere einsetzt. Und da√ü man nicht aufpa√üt, ob etwas opportun ist, sondern etwas tut, weil man es tut, aus eigener √úberzeugung. Das kann man lernen.

Und wenn man einmal gelernt hat, nicht wegzusehen, sondern hinzusehen, dann tut man es auch weiter. Die Jugend ist das beste Alter, um das vorzunehmen.
Dem Blöden fährt bei jedem sinnvollen Wort der Schrecken in die Glieder.
Auf der Wartburg herrschte jener beschr√§nkte Teutomanismus, der viel von Liebe und Glaube greinte, dessen Liebe aber nichts anderes war als Ha√ü des Fremden und dessen Glaube nur in der Unvernunft bestand, und der in seiner Unwissenheit nichts Besseres zu erfinden wusste als B√ľcher zu verbrennen!
Macht wollen sie und zuerst das Brecheisen der Macht, viel Geld - diese Unvermögenden!
"Also sprach Zarathustra"
Um ein mitleidiges Herz bitte ich, wie k√∂nnte ich sonst lieben? O, da ich in allem so seicht bin, muss ich alles erbitten. Ein Kind kann mitleiden, aber ich vergesse oft die Schmerzen, die mich doch erdr√ľcken m√ľssten, die Schmerzen der Menschen. Und meine ohnm√§chtige Liebe lege ich in Deine Hand, damit sie m√§chtig wird.
6. August 1942
Jede Hierarchie, und sei sie noch so autoritativ geleitet, und jede Befehlsvermittlung, und seien die Befehle noch so selbstherrlich-diktatorisch erteilt, w√ľrden die totale Macht des F√ľhrers einer totalit√§ren Bewegung stabilisieren und damit einschr√§nken. Es ist, in der Sprache der Nazis, der dynamische, niemals ruhende "Wille des F√ľhrers" (und nicht seine Befehle, denen eine festlegbare Autorit√§t zukommen k√∂nnte), der zum "obersten Gesetz einer totalen Herrschaft wird".
"Elemente und Urspr√ľnge totaler Herrschaft", S. 539
Sich selbselbsten √ľberwinden ist der allerschwerste Krieg;
Sich selbselbsten √ľberwinden ist der allersch√∂nste Sieg.
Ich will ja gar nichts anderes, als dass die Welt so eingerichtet wird, dass die Menschen nicht ihre √ľberfl√ľssigen Anh√§ngsel sind, sondern dass, in Gottes Namen, die Dinge um der Menschen willen da sind und nicht die Menschen um der Dinge willen, die sie noch dazu selbst gemacht haben. Und dass sie sie selbst gemacht haben, dass die Institutionen schlie√ülich auf die Menschen zur√ľckweisen, das ist f√ľr mich jedenfalls ein sehr geringer Trost.
So unmöglich es ist, dass Gott das Wesen verliert, das er ist, so unmöglich ist es, dass Gott sein ewiges Wort in Bildern oder in Lauten aussprechen kann.
Unser heutiger "Staat" aber ist die Diktatur des B√∂sen. "Das wissen wir schon lange", h√∂re ich Dich einwenden, "und wir haben es nicht n√∂tig, da√ü uns dies hier noch einmal vorgehalten wird." Aber, frage ich Dich, wenn Ihr das wi√üt, warum regt Ihr Euch nicht, warum duldet Ihr, da√ü diese Gewalthaber Schritt f√ľr Schritt offen und im verborgenen eine Dom√§ne Eures Rechts nach der anderen rauben, bis eines Tages nichts, aber auch gar nichts √ľbrigbleiben wird als ein mechanisiertes Staatsgetriebe, kommandiert von Verbrechern und S√§ufern? Ist Euer Geist schon so sehr der Vergewaltigung unterlegen, da√ü Ihr verge√üt, da√ü es nicht nur Euer Recht, sondern Eure sittliche Pflicht ist, dieses System zu beseitigen?

Wenn aber ein Mensch nicht mehr die Kraft aufbringt, sein Recht zu fordern, dann mu√ü er mit absoluter Notwendigkeit untergehen. Wir w√ľrden es verdienen, in alle Welt verstreut zu werden wie der Staub vor dem Winde, wenn wir uns in dieser zw√∂lften Stunde nicht aufrafften und endlich den Mut aufbr√§chten, der uns seither gefehlt hat. Verbergt nicht Eure Feigheit unter dem Mantel der Klugheit. Denn mit jedem Tag, da Ihr noch z√∂gert, da Ihr dieser Ausgeburt der H√∂lle nicht widersteht, w√§chst Eure Schuld gleich einer parabolischen Kurve h√∂her und immer h√∂her.
Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was wei√üt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was wei√ü ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen w√ľrde und weinen und erz√§hlen, was w√ľsstest Du von mir mehr als von der H√∂lle, wenn Dir jemand erz√§hlt, sie ist hei√ü und f√ľrchterlich. Schon darum sollten wir Menschen voreinander so ehrf√ľrchtig, so nachdenklich, so liebend stehn wie vor dem Eingang zur H√∂lle.
Jede Gewaltherrschaft mu√ü die Z√§une der Gesetze dem Erdboden gleichmachen. Totalit√§rer Terror, sofern er dies in seinen Anfangsstadien auch tut, unterscheidet sich nicht prinzipiell von anderen Formen der Tyrannis. Nur da√ü dieser nicht den willk√ľrlich-tyrannischen Willen eines einzelnen √ľber die ihres Schutzes beraubten und zur Ohnmacht verdammten Menschen loslassen will, noch die despotische Macht eines einzigen gegen alle anderen, noch, und am allerwenigsten, die Anarchie eines Krieges aller gegen alle. Die Tyrannis begn√ľgt sich mit der Gesetzlosigkeit; der totale Terror setzt an die Stelle der Z√§une des Gesetzes und der gesetzm√§√üig etablierten und geregelten Kan√§le menschlicher Kommunikation sein eisernes Band, das alle so eng aneinanderschlie√üt, da√ü nicht nur der Raum der Freiheit, wie er in verfassungsm√§√üigen Staaten zwischen den B√ľrgern existiert, sondern auch die W√ľste der Nachbarlosigkeit und des gegenseitigen Mi√ütrauens, die der Tyrannis eigent√ľmlich sind, verschwindet, und es ist, als seien alle zusammengeschmolzen in ein einziges Wesen von gigantischen Ausma√üen. Auch dies dr√ľckt der auf totalit√§re Verh√§ltnisse so trefflich vorbereitete Volksmund auf seine Weise aus, wenn er nicht mehr von "den" Russen oder "den" Franzosen spricht, sondern uns neuerdings erz√§hlt, was "der" Russe will oder "der" Franzose sei. Terror als der folgsame Vollstrecker nat√ľrlicher oder geschichtlicher Prozesse fabriziert dieses Einssein von Menschen, indem er den Lebensraum zwischen den Menschen, der der Raum der Freiheit ist, radikal vernichtet. Das Wesentliche der totalit√§ren Herrschaft liegt also nicht darin, da√ü sie bestimmte Freiheiten beschneidet oder beseitigt, noch darin, da√ü sie die Liebe zur Freiheit aus dem menschlichen Herzen ausrottet; sondern einzig darin, da√ü sie Menschen, so wie sie sind, mit solcher Gewalt in das eiserne Band des Terrors schlie√üt, da√ü der Raum des Handelns, und dies allein ist die Wirklichkeit der Freiheit, verschwindet.
"Elemente und Urspr√ľnge totaler Herrschaft", S. 682 f.
Geld ist nicht nötig um auch nur eine Notwendigkeit der Seele zu kaufen.
Wir urteilen √ľber Vergangenes, nicht um Recht zu haben, sondern um -- aus den Verstrickungen der Zeit befreit -- die Dinge f√ľr die Zukunft zu bedenken.

An der Gleichschaltung 1933 k√∂nne man den Zusammenbruch des pers√∂nlichen Urteilsverm√∂gens studieren, so Arendt. Sobald man heutzutage an einer bestimmten Person eine besondere Schuld festmache, anstatt die Schuld f√ľr alle Taten bei geschichtlichen Bedingungen und dialektischen Bewegungen zu suchen, wer man angegriffen; und wer immer auch nur beil√§ufig moralische Fragen aufwerfe, sei mit einem erschreckenden Mangel an Selbstvertrauen und Stolz konfrontiert. Stolz aber ist, in den Worten von Isak Dinesen, "Der Glaube an die Idee, die Gott hatte, als er uns schuf. Ein stolzer Mensch trachtet danach, im Lichte dieser Idee zu leben und sie zu verwirklichen."

Indem wir √ľber eine Geschichte nachdenken, sie uns und anderen immer neu erz√§hlen und auf diese Weise, nachdem sie zu einem Ende gekommen ist, anfangen, "kr√§ftig ins Urteilen" zu kommen, h√∂rt die Geschichte auf, eine Folge nackter Ereignisse zu sein. Die Tatsachen, und seien sie noch so grausam, m√ľssen bewahrt werden, nicht, damit wir nicht vergessen, sondern damit wir urteilen k√∂nnen. Schlie√ülich ist es die F√§higkeit zu urteilen, die uns zum Handeln bef√§higt. Denn jede menschliche Tat ist ja eine Entscheidung. "Hinter der Abneigung zu urteilen", so hei√üt es in dem hier abgedruckten Vortrag, "lauert der Verdacht, dass eigentlich niemand mehr ein frei handelndes Wesen ist."
Der effektivste Weg, Demokratie zu beschränken, ist das Treffen von Entscheidungen von der öffentlichen Sphäre hin zu Institutionen zu verlagern, die nicht zur Rechenschaft gezogen werden können: Könige und Prinzen, Priesterkasten, Militärjuntas, Parteidiktaturen, oder moderne Unternehmen.