node created 2019/09/29
Wo der B√ľrger keine Stimme hat, haben die W√§nde Ohren.
Drei Dinge hindern den Menschen, so dass er Gott in keiner Weise erkennen kann. Das erste ist Zeit, das zweite Körperlichkeit, das dritte Mannigfaltigkeit. Solange diese drei in mir sind, ist Gott nicht in mir und wirkt nicht eigenhaft in mir.
1. Das schulhaus besitzt fassaden und eine gr√ľndungsinschrift, ein garten mit chloroformrosen umgibt es im quadrat. In seinen fenstern spiegeln sich die blauen himmel, in den augen der sch√ľler spiegeln sich die lehrk√∂rper. Das erlebnis des lehrers ist der rohrstock, er ist seine beste suppe.
"Fleiß und Industrie"
Alle machen sich Gedanken, wie man Terrorismus beenden kann. Nun, es gibt einen wirklich einfachen Weg: indem man damit aufhört, daran teilzunehmen.
In Gefahr und grosser Noth
Bringt der Mittel-Weg den Tod.
Was kann man √ľber ein Land sagen, in dem ein wissenschaftliches Museum in einer gro√üen Stadt ein Ausstellungsst√ľck hat, wo die Leute von einem Helikopter aus mit einem Maschinengewehr auf H√ľtten in Vietnam feuern, mit aufblitzendem Licht, wenn ein Treffer gelandet wird? Was kann man √ľber ein Land sagen, in dem solch eine Idee √ľberhaupt nur in Erw√§gung gezogen wird? Man mu√ü um dieses Land weinen.
"American Power and the New Mandarins" (1969)
Die Bildung kommt nicht vom Lesen, sondern vom Nachdenken √ľber das Gelesene.
Die Freundschafft, die der Wein gemacht,
W√ľrckt wie der Wein, nur eine Nacht.
Weisheit ist eine Tugend des Alters, und sie kommt wohl nur zu denen, die in ihrer Jugend weder weise waren noch besonnen.
"Menschen in finsteren Zeiten"
Wenn man von oben hinunterschaut auf den kleinen blauen Planeten mit seiner d√ľnnen Schutzh√ľlle und dem unendlichen Schwarz drumherum, wird klar, dass wir unseren Heimatplaneten viel mehr als Geschenk erkennen sollten, denn wir haben nur einen.
Die Kultur der Terrors zielt darauf ab, die Hoffnungen der Mehrheit auf Alternativen zu den Vorstellungen der Herrschenden zu zähmen.
Das Talent gleicht dem Sch√ľtzen, der ein Ziel trifft, welches die Uebrigen nicht erreichen k√∂nnen; das Genie dem, der eines trifft, bis zu welchem sie nicht ein Mal zu sehn verm√∂gen.
Ein normaler Mensch sagt: "Ich habe gerade keine Lust."

Die Menschmaschine aus der Redaktion von Spiegel Online sagt: "Ich bin ein Jetzt­gerade­keine­lust­haber."
Der offenbare Widerspruch zwischen einer Geheimgesellschaft und einer Massenorganisation verliert jede Bedeutung angesichts der Tatsache, da√ü die den Geheimgesellschaften eigene Struktur die M√∂glichkeit bot, die totalit√§re Dichotomie zwischen der eigenen Bewegung und der gesamten Au√üenwelt, welche ihrerseits auf der blinden Feindseligkeit der Massen gegen den gesamten Bestand des Bestehenden, ohne Ansehen irgendwelcher Nuancen und Differenzierungen, beruhte, zu einem organisatorischen Prinzip zu machen. Eine Organisation, die nach dem Prinzip aufgebaut ist "Wer nicht eingeschlossen ist, ist ausgeschlossen", "Wer nicht f√ľr mich ist, ist wider mich", raubt der Welt jene wirklich existierende Mannigfaltigkeit, die f√ľr Massen, die in ihr ihren Platz und damit ihre Orientierungsm√∂glichkeit verloren haben, nur verwirrend und sogar untragbar ist. Die Aufteilung zwischen "uns" und allen anderen fl√∂√üt diesen Massen die gleiche uneingeschr√§nkte Loyalit√§t ein wie den Gliedern geheimer Gesellschaften das Geheimnis selbst, in das sie eingeweiht sind. Jede totalit√§re Bewegung behauptet, da√ü au√üerhalb von ihr alle Wirklichkeit "absterbe", eine Behauptung, die dann unter den m√∂rderischen Bedingungen totaler Herrschaft sich sehr drastisch bewahrheiten; im Stadium vor der Machtergreifung gibt keine andere Behauptung den Massen, die ja vor ihrer eigenen, unverschuldeten Direktionslosigkeit und Desintegration in das fiktive Heim der Bewegungen geflohen sind, einen so handgreiflichen Trost und eine so einleuchtende Hoffnung.
"Elemente und Urspr√ľnge totaler Herrschaft", S. 563 f.
Es ist ein Vorzug des Menschen, auch diejenigen zu lieben, die ihn beleidigen. Dahin gelangt man erst, wenn man bedenkt, daß die Menschen mit uns eines Geschlechtes sind, daß sie aus Unwissenheit und gegen ihren Willen fehlen, daß ihr beide nach kurzer Zeit tot sein werdet, und vor allem, daß dein Widersacher dich nicht beschädigt hat. Denn er hat die in dir herrschende Vernunft doch nicht anders gemacht, als sie zuvor war.
"Selbstbetrachtungen"
Die Funktion der paraprofessionellen Verb√§nde jedoch ist bei beiden totalit√§ren Bewegungen die gleiche. Sie h√§ngt aufs engste mit dem "totalen" Charakter der Bewegung zusammen, die eine Organisation aufstellt, die von vornherein pr√§tendiert, die gesamte Welt, die gesamte Gesellschaft zu repr√§sentieren. So wie es das ausgesprochene Endziel der Nazipropaganda war und die unausgesprochene Praxis des bolschewistischen Systems ist, nach der Machtergreifung das gesamte Volk als Sympathisierende (aber nicht als Parteimitglieder) zu organisieren, so ist das Ziel der totalit√§ren Bewegung, vor der Machtergreifung den Eindruck zu erwecken, da√ü man gleichsam komplett sei, das hei√üt alle Elemente der Gesellschaft in den eigenen Reihen habe. Die Nazis gingen in der Organisation einer kompletten Gegen-Welt vor der Machtergreifung noch einen Schritt weiter als die Bolschewisten und errichteten eine Reihe von Parteiinstitutionen, die genau nach dem Modell der staatlichen Ministerien gebildet waren. Keine dieser Parteiabteilungen - f√ľr ausw√§rtige Angelegenheiten, f√ľr Erziehung, Kultur, Sport, und so weiter - hatte rein beruflich ein h√∂heres Niveau als die paramilit√§rischen Verb√§nde. Alle zusammen bildeten eine vollkommene Scheinwelt, in der jede Realit√§t der nichttotalit√§ren Welt ihre genaue Entsprechung gefunden hatte.

Diese Verdoppelungstechnik, so wertlos f√ľr die Machtergreifung im allgemeinen wie die paramilit√§rischen Verb√§nde, f√ľr den bewaffneten Aufstand im besonderen, wurde dann von gr√∂√üter Bedeutung f√ľr den sogenannten totalit√§ren Staat. Aber auch vor der Machtergreifung, innerhalb einer nichttotalit√§ren Welt, sind die paraprofessionellen Frontorganisationen von h√∂chstem Wert. Sie dienen nicht nur der Komplettierung der fiktiven Welt der Bewegung, in der alles und alle, vom Stra√üenfeger bis zum Universit√§tsprofessor, vertreten sein mu√ü, sie bilden nicht nur unvergleichliche Werkzeuge f√ľr die Unterminierung der betreffenden Sektoren einer noch nicht totalit√§ren Gesellschaft und ihres Berufsethos, sondern sie sind, gleich den paramilit√§rischen Verb√§nden, aufs genaueste bestimmten ideologischen Massen√ľberzeugungen angepa√üt, durch die sie karikierend das Zerrbild, das die Masse sich von bestimmten Berufsgruppen gemacht hat, in die Wirklichkeit umsetzen. Der Vorstellung, die in einer durch Krisen ersch√ľtterten Welt verst√§ndlich genug ist, da√ü die Vertreter des Rechts eigentlich Rechtsbrecher seien, wird entgegengekommen durch eine Organisation von Juristen, die Rechtsbrecher aus √úberzeugung sind und das Verbrechen juristisch verteidigen; der Vorstellung, da√ü √Ąrzte eigentlich M√∂rder sind, wird entsprochen durch eine √Ąrzteorganisation, die alle diejenigen aufnimmt, die bereit sind, ihre eugenischen Prinzipien bis zu der Konsequenz des Mordes durchzuf√ľhren; der Vorstellung von der Ignoranz der Gelehrten wird nachgeholfen durch Verb√§nde an den Universit√§ten, in denen nicht nur Ignoranz zugunsten sogenannter Charaktereigenschaften gepredigt, sondern offen demonstriert wird. Die totalit√§ren Bewegungen, mit anderen Worten, realisieren das Zerrbild, das die heimatlos und asozial gewordenen sich von der Gesellschaft gemacht haben, mit der gleichen Konsequenz, mit der sie die Wahnidee der Weisen von Zion sich zu eigen machen. Die F√ľhrer der totalit√§ren Bewegungen, die selbst noch nichtotalit√§ren Verh√§ltnissen entstammen und die geheimen W√ľnschen der Massen kennen, wissen sehr genau, da√ü hinter dem Zerrbild vom Rechtsvertreter als Rechtsverdreher, vom Arzt als M√∂rder, vom Gelehrten als dem Ignoranten der Wunsch steht, das Recht zu brechen, Menschen zu t√∂ten und das Wissen aus der Welt zu schaffen. Die totalit√§ren Bewegungen organisieren vor der Machtergreifung alle diejenigen Elemente in den verschiedenen Berufsgruppen, die diesen Massenw√ľnschen bereits entsprechen, und verf√ľgen damit √ľber ein f√ľr jede Gruppe in der Gesellschaft spezifisch geeignetes Instrument der Zersetzung.

[..]

Jedenfalls geh√∂rt es mit zu der Unterminierungsfunktion der paraprofessionellen Gruppen, die beruflichen Ma√üst√§be nach M√∂glichkeit zu senken und das spezifische Berufsethos jeder Gruppe zu untergraben. Die eigent√ľmliche Substanzentleerung, die entweder bereits vorgebildet der Grund und Boden wird, auf dem die totalit√§ren Bewegungen entspringen und gedeihen k√∂nnen, oder als Vorbedingung totalit√§rer Herrschaft k√ľnstlich nach der Macht√ľbernahme hergestellt wird, wird durch die paraprofessionellen Gruppen aufs wirksamste gef√∂rdert. Die Tatsache, da√ü in solchen Verb√§nden automatisch diejenigen prominent werden, die an ihrem Beruf am wenigsten interessiert oder in ihm am schlechtesten weggekommen sind, ist hierbei sogar von zweitrangiger Bedeutung. Wesentlicher ist, da√ü ihre politische Schulung gerade darin besteht, ihren sachlich gebundenen und daher notwendig limitierten Vorstellungskreis zu "erweitern", bis sie gelernt haben, in Jahrhunderten und "Kontinenten zu denken". Allgemein gesprochen geht es um die Vorbereitung jener Mentalit√§t, die mit Himmlers Worten "eine Sache nie um ihrer selbst willen tut".
"Elemente und Urspr√ľnge totaler Herrschaft", S. 548 ff.
Den gerechten Menschen ist es so ernst mit der Gerechtigkeit, dass sie, gesetzt den Fall, Gott w√§re nicht gerecht, nicht eine Bohne sich um Gott k√ľmmerten.
Sei friedlich. Sich nicht rächen kann auch eine Rache sein.
Die Eltern haben eben f√ľr die Kinder nur die tierische, sinnlose, sich mit dem Kinde immerfort verwechselnde Liebe, der Erzieher hat f√ľr das Kind Achtung, und das ist im Erziehungssinn unvergleichbar mehr, selbst wenn keine Liebe mitsprechen sollte. Ich wiederhole: im Erziehungssinn; denn wenn ich die Elternliebe eine tierisch sinnlose nenne, so ist das an sich keine Minderbewertung, sie ist ein ebenso unerforschliches Geheimnis wie die kunstvoll sch√∂pferische Liebe des Erziehers, nur in Hinsicht der Erziehung allerdings kann diese Minderbewertung gar nicht gro√ü genug sein. Wenn sich N. eine Henne nennt, so hat sie ganz recht, jede Mutter ist es im Grunde, und die, welche es nicht ist, ist entweder eine G√∂ttin oder aber wahrscheinlich ein krankes Tier. Nun will aber diese Henne N. nicht H√ľhnchen, sondern Menschen zu Kindern haben, darf also ihre Kinder nicht allein erziehen.
Brief an Elli Hermann (Herbst 1921)
Alle idealen Staatsformen sind Utopien. Ein Staat kann nicht rein theoretisch konstruiert werden, sondern er muß ebenso wachsen, reifen wie der einzelne Mensch.