node created 2019/09/29
Geschichte wird von Menschen gemacht, aber nicht von prominenten Individuen, von fetischÀhnlichen Figuren, denen abzugucken wÀre, wie sie sich rÀuspern und wie sie spucken...
Die Generation vor uns hat sich bei uns immer damit entschuldigt, dass sie von dem, was im Faschismus passiert ist, alle gar nicht so richtig gewußt haben, was er wirklich war. Und ich glaube, dass wir, unsere Generation, nicht mehr die Möglichkeit haben wird -- wenn wir zulassen, dass es zum Schlimmsten kommt -- dann werden wir einfach nicht mehr die Möglichkeit haben, der nĂ€chsten Generation zu erklĂ€ren, dass wir von allem nichts gewusst haben; wir wissen heute alle alles.
NatĂŒrlich ist es "nĂŒtzlicher", Unrecht zu tun als Unrecht zu leiden; um des denkenden Dialogs mit mir selbst willen muss gerade dieser NĂŒtzlichkeitsstandpunkt aufgegeben werden.
"Wahrheit und Politik"
Mit jedem Menschen ist etwas Neues in die Welt gesetzt, was es noch nicht gegeben hat, etwas Erstes und Einziges.
Ich finde die meisten Kinder ausgesprochen klug. Wenn die in Interviews gefragt werden, sind sie witzig und schnell und den Alten meistens ĂŒberlegen.
HörZu (Oktober 2003)
Die – von den meisten nicht intendierten, aber sich hĂ€ufenden – SchulterschlĂŒsse der „Antideutschen“ mit Rechten sind unweigerlich eine Konsequenz der inneren Logik ihrer Ideologie. Wer vorgibt, eine Wiederholung von Auschwitz durch neoimperialistische Machtentfaltung, Marktradikalismus, Kulturkampf, die Verherrlichung des MilitĂ€rs der westlichen Welt und seiner Waffengewalt ausschließen zu können, hat Marx gegen Machiavelli eingetauscht. Wer Juden zwangszionisieren will und jene, die sich weigern, mit Kampfbegriffen wie „selbsthassende Juden“, „Antisemiten“ und „VerrĂ€ter“ beleidigt, wird in den Armen von Daniela Weiss, Geert Wilders oder noch viel schlimmeren Gesellen aufwachen – wenn er aufwacht. Wer, wie die „Antideutschen“ es tun, den Antisemitismusbegriff bis zur Unkenntlichkeit inflationiert und damit der nach wie vor notwendigen Antisemitismuskritik ihrer Wirkmacht beraubt und die Opfergeschichte des jĂŒdischen Kollektivs schamlos fĂŒr die Legitimierung von Mord und Totschlag ausbeutet, hat auch nichts anderes verdient.
Der Stil ist die Physiognomie des Geistes. Sie ist untrĂŒglicher als die des Leibes. Affektation im Stil ist dem Gesichterschneiden zu vergleichen.
Meine ReligiositĂ€t besteht in einer demĂŒtigen Bewunderung des unendlich ĂŒberlegenen Geistes, der sich in dem wenigen offenbart, was wir mit unserer schwachen und hinfĂ€lligen Vernunft von der Wirklichkeit zu erkennen vermögen. Moral ist eine höchst wichtige Sache, aber fĂŒr uns, nicht fĂŒr Gott.
In den Vereinigten Staaten ist das politische System nur am Rande von Bedeutung. Es gibt zwei sogenannte Parteien, aber sie sind in Wirklichkeit Fraktionen der gleichen Partei, der GeschĂ€ftspartei. Beide reprĂ€sentieren eine Reihe von GeschĂ€ftsinteressen. Sie können sogar ihre Positionen um 180 Grad wenden, ohne dass es ĂŒberhaupt jemand merkt.
Interview mit Adam Jones, 20. Februar 1990
Wer die Toten vergisst, bringt sie noch einmal um.
Hast du schon einmal eine abgeschnittene Hand oder einen abgehauenen Fuß oder Kopf, vom ĂŒbrigen Körper getrennt, daliegen sehen? Gerade so nimmt sich derjenige aus, der ĂŒber sein Schicksal unwillig wird, sich von anderen absondert oder sich gemeinschĂ€dliche Handlungen erlaubt. Du hast dich so gewissermaßen ausgestoßen, von der naturgemĂ€ĂŸen Einheit getrennt. Denn als ein Teil warst du ihr einverleibt und hast dich nun selbst davon abgesondert. Aber hier ist es noch bewundernswert, daß du dich mit ihr von neuem vereinigen kannst. Diese Möglichkeit, nach Trennung und VerstĂŒmmelung mit dem Ganzen wieder zusammenzukommen, hat Gott keinem andern Teil der Natur verliehen. ErwĂ€ge doch die GĂŒte, womit er den Menschen bevorzugt hat. Denn er hat beides in seine Hand gelegt, seine Lostrennung vom Ganzen gleich anfangs zu vermeiden, aber auch nach seiner Trennung sich wieder mit demselben zu vereinigen, sich von neuem ihm einzuverleiben und seine Stellung als Teil wieder einzunehmen.
"Selbstbetrachtungen"
Nötiger wĂ€re ein Lebemeister als tausend Lesemeister; aber lesen und leben ohne Gott, dazu kann niemand kommen. Wollte ich einen Meister von der Schrift suchen, den suchte ich in Paris und in den hohen Schulen hoher Wissenschaft. Aber wollte ich nach vollkommenem Leben fragen, davon könnte er mir nichts sagen. Wohin sollte ich dafĂŒr gehen? Allzumal nirgends anders als in eine nackte entledigte Natur: die könnte mir kund tun, wonach ich sie in Ehrfurcht fragte. Leute, was sucht ihr an dem toten Gebein? Warum sucht ihr nicht das lebendige Heil, das euch ewiges Leben geben kann? Denn der Tote hat weder zu geben noch zu nehmen. Und sollte ein Engel Gott ohne Gott suchen, so suchte er ihn nirgends anders als in einer entledigten nackten abgeschiedenen Kreatur. Alle Vollkommenheit liegt daran, dass man Armut und Elend und Schmach und WiderwĂ€rtigkeit und alles, was dir zustossen und dich bedrĂŒcken kann, willig, fröhlich, frei, begierig und bereit und unbewegt leiden kann und bis an den Tod dabei bleiben ohne alles Warum.
Alle guten Dinge haben etwas LĂ€ssiges und liegen wie KĂŒhe auf der Wiese.
"Menschliches, Allzumenschliches", II, Aph. 107
In diesem Buche ist noch nicht das Sprichwort befolgt worden "In einen geschlossenen Mund kommt keine Fliege". Deshalb ist es voll Fliegen. Am besten es immer zugeklappt halten.
Widmung an Gertrud Thieberger in der Erstausgabe von "Betrachtung" (wahrscheinlich FrĂŒhjahr 1913)
Dabei wissen wir doch:
Auch der Haß gegen die Niedrigkeit
Verzerrt die ZĂŒge.
Auch der Zorn ĂŒber das Unrecht
Macht die Stimme heiser. Ach, wir
Die wir den Boden bereiten wollten fĂŒr Freundlichkeit
Konnten selber nicht freundlich sein.
"An die Nachgeborenen"
Hier ein einwurf, der mir seit langem höchst wichtig erscheint und den ich bei dieser gelegenheit passend anbringen will: frau Holle ist nicht, wie in kindergeschichten fĂ€lschlich berichtet wird, ein steinalte mĂŒtterchen, sondern vielmehr eine bezaubernd schöne frau mit blauen augen und vollem, weizenblondem haar, welches jeweils nach der letzten mode geschnitten und frisiert ist!
"Frankenstein in Sussex"
Den Augenblick immer als den höchsten Brennpunkt der Existenz, auf den die ganze Vergangenheit nur vorbereitete, ansehen und genießen, das wĂŒrde Leben heißen!
Was sind das fĂŒr Zeiten, wo
Ein GesprĂ€ch ĂŒber BĂ€ume fast ein Verbrechen ist
Weil es ein Schweigen ĂŒber so viele Untaten einschließt!
Er schaute zu. Jetzt, wo er zur SS ĂŒbergegangen war, bewunderte er die Kraft von Fritz und dem Polizisten noch mehr. Er hatte endgĂŒltig das Lager jener verlassen, die erbĂ€rmlich genug waren, sich so niederknĂŒppeln zu lassen. Er war froh, daß er seine Wahl getroffen hatte. Er brauchte das Mißtrauen der Herren nicht mehr zu fĂŒrchten. Er war auf der Seite des Guten. Die SchlĂ€ge, die die Kerle bekamen, hĂ€rteten endgĂŒltig dieses Bewußtsein, das Gute zu verkörpern. Man kann nicht SchlĂ€ge bekommen und recht haben, man kann nicht schmutzig sein, AbfĂ€lle fressen und recht haben.
"Das Menschengeschlecht"
Seite 259
Gerade wie ein Mensch, der gar nichts hat, der kann wohl mild sein, denn er gibt mit dem Willen; jedoch, wenn ein Mensch grossen Reichtum hat und nichts gibt, der kann nicht mild heissen. Und ebenso kann kein Mensch eine Tugend haben, der sich nicht dieser Tugend hingibt, wenn es Zeit und Raum erlaubt. Und darum sind alle die, die sich dem beschaulichen Leben hingeben und nicht Àusseren Werken und sich ganz und gar von Àusserem Werk abschliessen, im Irrtum und nicht auf dem rechten Weg. Da sage ich, der Mensch, der im beschaulichen Leben ist, kann wohl und soll sich von allen Àussern Werken freimachen, solange er im Schauen ist; aber hernach soll er sich Àussern Werken widmen, denn niemand kann sich allezeit und fortwÀhrend dem beschaulichen Leben hingeben, und das wirkende Leben wird ein Aufenthalt des schauenden Lebens.