node created 2019/09/29
Polizeigewalt betrifft alle. Auch wenn es MinoritÀten zuerst trifft.
Mit allem sind wir heimlich verschworen. Nur, weil die SS beschlossen hat, daß wir keine Menschen sind, sind die BĂ€ume noch lange nicht vertrocknet und abgestorben. Wenn ich zum AuslĂ€ufer des Waldes hinĂŒberblicke und dann den SS-Mann sehe, kommt er mir winzig vor, ebenfalls eingesperrt innerhalb des Stacheldrahts, zu uns verurteilt, eingeschlossen in die Maschinerie seines eigenen Mythos.
"Das Menschengeschlecht"
Seite 64
Ich will ja gar nichts anderes, als dass die Welt so eingerichtet wird, dass die Menschen nicht ihre ĂŒberflĂŒssigen AnhĂ€ngsel sind, sondern dass, in Gottes Namen, die Dinge um der Menschen willen da sind und nicht die Menschen um der Dinge willen, die sie noch dazu selbst gemacht haben. Und dass sie sie selbst gemacht haben, dass die Institutionen schließlich auf die Menschen zurĂŒckweisen, das ist fĂŒr mich jedenfalls ein sehr geringer Trost.
Freiheit ich will dich aufrauhen mit Schmirgelpapier du geleckte.
Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrĂ€t in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen wĂŒrde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche VorzĂŒge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie bestĂ€ndig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbĂ€rmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit HĂ€nden und FĂŒĂŸen zu verteidigen.
Ich weiß jetzt, wenn man das Geheimnis hat, ein Vogel zu sein, kann man an zwei Orten gleichzeitig leben: hier und woanders.
"Das Geheimnis des Herrn Josef" (1976)
WĂ€re nicht Gott in allen Dingen, die Natur wirkte oder begehrte in keinem Dinge etwas; denn es sei dir lieb oder leid, magst du es wissen oder nicht: die Natur in ihrem Innigsten sucht und meinet Gott. Nie wĂŒrde ein Mensch, der Durst hat, so sehr nach etwas zu trinken begehren, wenn nicht etwas von Gott darin wĂ€re. Die Natur meinte weder Essen noch Trinken, noch Kleider, noch Bequemlichkeit, noch sonst etwas, wenn nicht Gott darin wĂ€re, und sie jagt und bohrt immer mehr danach, Gott darin zu finden.
Hier ein einwurf, der mir seit langem höchst wichtig erscheint und den ich bei dieser gelegenheit passend anbringen will: frau Holle ist nicht, wie in kindergeschichten fĂ€lschlich berichtet wird, ein steinalte mĂŒtterchen, sondern vielmehr eine bezaubernd schöne frau mit blauen augen und vollem, weizenblondem haar, welches jeweils nach der letzten mode geschnitten und frisiert ist!
"Frankenstein in Sussex"
Nicht mĂŒde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.
Man glaubt, daß man sich wĂŒnscht, den SS-Mann umbringen zu können. Doch wenn man ein wenig darĂŒber nachdenkt, weiß man, daß man sich irrt. So einfach ist das gar nicht. Man möchte ihn nĂ€mlich zunĂ€chst einmal mit dem Kopf nach unten aufhĂ€ngen, die Beine in die Luft. Und sich schieflachen, sich wirklich schieflachen. Jene, die Menschen sind, wir, die wir menschliche Wesen sind, wir möchten auch ein wenig spielen. Wir wĂŒrden des Spiels schnell mĂŒde werden, aber was wir möchten, ist dies: Kopf nach unten, FĂŒĂŸe in die Luft. Das möchten wir gern mit den Göttern tun.
"Das Menschengeschlecht"
Seite 111
Die PrĂ€destination und der freie Wille, diese beiden anscheinend nicht vereinbaren GegensĂ€tze – jetzt machen sie mir eigentlich nicht mehr viele Schmerzen, obwohl ich sie so wenig erklĂ€ren kann wie vorher. Dass Gott allwissend ist, daran glaube ich, und die notwendige Folgerung daraus ist, dass er auch von jedem einzelnen weiß, was nach der Zeit ist. Dies verlangt auch seine Eigenschaft als unendlicher Gott. Meinen freien Willen fĂŒhle ich, wer kann ihn mir beweisen!
12. Januar 1943
In Zeiten, in denen Jugendliche YouTube-Videos mit Sechs-Sekunden-Schnitten anschauen, alle 30 Sekunden unterbrochen von Werbung, können wir nicht mit einem 2 Âœ Stunden Vortrag ĂŒber die Theorien des Anarchismus kommen und erwarten, dass wir in Scharen Zuwachs bekommen. Wir mĂŒssen stattdessen in unseren Stadtteilen, in unseren Kiezen, die Nachbarschaft zum Leben erwecken. Wir mĂŒssen HĂ€nde reichen, Probleme lösen, zuhören und nachdenken. Vor allem nachdenken ĂŒber neue Strategien und neue Konzepte. Es mĂŒssen neue Ideen heran, fĂŒr eine neue Zeit. Wenn wir das Ruder noch herumreißen wollen, mĂŒssen wir es jetzt tun. Denn in wenigen Jahren werden wir dann tatsĂ€chlich ĂŒber bloße Theorien sprechen, wenn wir ĂŒber SolidaritĂ€t und Menschlichkeit reden. Und diese GefĂŒhle als bloße Theorie vermitteln zu können, halte ich fĂŒr schwierig bis unmöglich.

Innerhalb von wenigen Jahren hat es der Neoliberalismus in Deutschland geschafft, eine ganze Generation von obrigkeitshörigen, konsumfixierten und indiviualisierten Menschen heranzuziehen, die sich darĂŒber freuen, ein unbezahltes Praktikum fĂŒr einen Milliardenkonzern machen zu dĂŒrfen. Vor zwanzig Jahren hĂ€tten da alle herzlich drĂŒber gelacht.

Wenn der Prozess des Neoliberalismus abgeschlossen ist, haben wir keine Chance mehr. Wir mĂŒssen jetzt handeln. Es bedarf jetzt einer Runderneuerung der linken Bewegungen in Deutschland.
Der etwas Ă€ltere Mensch ist nicht mehr gefĂ€hrdet durch die Nachstellungen weiblicher Frauen. Weil sie wissen, dass der verstorbene Geschlechtstrieb so leicht nicht mehr zu erwecken ist. Und er selbst, also der ehemalige Sexbereite, vergisst nach und nach seine Sexwilligkeit und erspart sich damit viel Ärger. Wenn er nicht mehr daran denkt, was ihn bis da ja völlig ausfĂŒllte, kann er sich endlich mit vernĂŒnftigen Denkthemen beschĂ€ftigen. Oder er kann etwas lesen.
BILD (2011)
Wenn man von oben hinunterschaut auf den kleinen blauen Planeten mit seiner dĂŒnnen SchutzhĂŒlle und dem unendlichen Schwarz drumherum, wird klar, dass wir unseren Heimatplaneten viel mehr als Geschenk erkennen sollten, denn wir haben nur einen.
Entscheidend fĂŒr eine Idee ist nie, wie sie sich verwirklicht, sondern was sie an Wirklichkeit enthĂ€lt.
Alle machen sich Gedanken, wie man Terrorismus beenden kann. Nun, es gibt einen wirklich einfachen Weg: indem man damit aufhört, daran teilzunehmen.
Um die Welt empathisch zu erproben, muß es dem SĂ€ugling zunĂ€chst ermöglicht werden, sich der Umwelt nachhaltig zuzu wenden. Dies kann nur dann geschehen, wenn seine Beziehung zur stimulierenden Umwelt durch niedrige IntensitĂ€tswerte gekennzeichnet ist. T. C. Schneirla betont in einer langen Folge von Arbeiten, die in der zusammenfassenden Schrift "Eine evolutionĂ€re und entwicklungsorientierte Theorie der biphasischen Prozesse, die dem Zuwendungs— und Vermeidungsverhalten zugrunde liegen" (1959), daß schon bei der Geburt eine primitive, zweigabelige organische Basis fĂŒr spĂ€tere emotionelle Sinnesstimulation existiert. Niedrige (im relativen Sinn) StimulusintensitĂ€ten lösen Reaktionen der AnnĂ€herung aus; hohe StimulusintensitĂ€ten bewirken dagegen das ZurĂŒckziehen. Das Differential (Unterschied) im Schwellenreiz fĂŒr die Muskeln, die diese Bewegungen steuern, wird damit zur Grundlage dieser Verhaltensmuster.

Was dadurch entsteht, ist eine Förderung der empathischen VorgĂ€nge, vorausgesetzt, daß zwischen SĂ€ugling und Mutter Zuwendung existiert. Nur dadurch, daß die Mutter dem Kind entgegenkommt, ist die Zufuhr der niedrigen StimulusintensitĂ€ten gesichert. Das ist es, was dem Kind nicht nur sein Leben erhĂ€lt, sondern ihm auch die Basis fĂŒr seine empathische Sinnesentwicklung gibt.

Dieses Entgegenkommen sichert dem Kind, daß es nicht von einem Übermaß an Stimulation ĂŒberwĂ€ltigt wird. J. L. Fuller (1967) zeigt zum Beispiel in seiner Arbeit ĂŒber Reizverminderung, daß ein Lebewesen nichts lernen kann, wenn es ihm unmöglich wird, sich in einer Stimulussituation auf wichtige Bestandteile dieser Situation zu konzentrieren, indem es andere Elemente ignoriert.

Hier haben wir die wesentliche Substanz des Lernens des Eigenen. Damit es geschehen kann, ist eine Unterscheidung notwendig. Diese kann nicht zustandekommen, wenn die innere Reaktionsbereitschaft ihren entsprechenden auslösenden Stimulus nicht finden kann.

Eine Mutter, die ihr Kind intuitiv vor ReizĂŒberflutung beschĂŒtzt, legt in ihm den Grundstock, aus dem eigenen Selbst heraus lernen zu können. Wenn die Mutter dazu nicht in der Lage ist, wird sein Bewußtsein entweder von der Erfahrung der Hilflosigkeit beherrscht, die es zu einem Versager macht, oder das GefĂŒhl des Ausgeliefertseins wird verdrĂ€ngt und vom sich bildenden Selbst gespalten. Mit solch einer Lösung muß alles, was an die Situation erinnert, in der die Erfahrung der Hilflosigkeit gemacht Wurde (wie zum Beispiel die empathische Erfahrung des Kindes und damit sein Menschlichsein), ausgeschaltet werden. Auf diese Weise werden ganze Teile seines angehenden Seins vom Bewußtsein abgespalten. Um diese Spaltung dann aufrechtzuerhalten, muß Hilflosigkeit zum Objekt der Ablehnung und des Hasses werden. Sie ist es, die einen bedroht, und nicht die Situation, die sie verursacht hat. So rĂ€cht man sich dauernd an allem, was die eigene Hilflosigkeit hervorrufen könnte. Deswegen verachtet man Hilflosigkeit bei anderen. Dieses Verachten verbirgt die dahinter stehende eigene Angst und fördert zugleich die Haltung des Verachtens und die Notwendigkeit einer kompensierenden Ideologie der Macht und des Herrschens. Auf diese Weise treten die Opfer auf die Seite ihrer UnterdrĂŒcker, um neue Opfer zu finden: ein endloser Prozeß, durch den der Mensch verunmenschlicht wird.

Und so wird alles, was zu einem eigenen Ansatz zur Autonomie fĂŒhren könnte, gehaßt. Der unablĂ€ssige Drang nach Erfolg und Leistung tritt an die Stelle der Autonomie. Aber Autonomiebestrebungen werden nicht nur abgelehnt, weil sie solche Menschen an ihre eigene Unterwerfung erinnern könnten. Vielmehr ist es so, daß wirkliche Autonomie die Machtspiele entlarvt, an die man sich, um der Hilflosigkeit zu entkommen, angepaßt hat. Da wir alle bis zu einem gewissen Grad solchen VorgĂ€ngen unterworfen sind, ist das Resultat eine allgemeine Tendenz zur Verunmenschlichung, auch wenn wir sie als solche gar nicht wollen.
"Der Verrat am Selbst"
Das Wesentliche im Dasein eines Menschen von meiner Art liegt in dem, was er denkt und wie er denkt, nicht in dem was er tut oder erleidet.
1. Das schulhaus besitzt fassaden und eine grĂŒndungsinschrift, ein garten mit chloroformrosen umgibt es im quadrat. In seinen fenstern spiegeln sich die blauen himmel, in den augen der schĂŒler spiegeln sich die lehrkörper. Das erlebnis des lehrers ist der rohrstock, er ist seine beste suppe.
"Fleiß und Industrie"
Dieser - von den Juden her betrachtet (und der wache Christ, der sich selbst ernst nimmt, muß dies wĂŒrdigen) - grĂ¶ĂŸte Raubzug der Weltgeschichte fĂŒhrt das Alte Testament in den Dienst der christlichen Kirche ĂŒber: Was in ĂŒber tausend Jahren jĂŒdische Propheten, Priester, KĂŒnder, Söhne, VĂ€ter des jĂŒdischen Volkes an Gebet, Opfer, Liturgie, Dichtung, Wortaussage geschaffen haben - unter unsĂ€glichen Leiden und Schmerzen, lange vor und lange nach der Babylonischen Gefangenschaft -, wird nun, als Beutegut des "neuen Israel", der Kirche, zum unantastbaren Erbgut der Kirche.
"Gottes erste Liebe"