node created 2019/09/29
Aber es tut gut, wenn das Gewissen breite Wunden bekommt, denn dadurch wird es empfindlicher f├╝r jeden Bi├č. Ich glaube, man sollte ├╝berhaupt nur solche B├╝cher lesen, die einen bei├čen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Sch├Ądel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns gl├╝cklich macht, wie Du schreibst? Mein Gott, gl├╝cklich w├Ąren wir eben auch, wenn wir keine B├╝cher h├Ątten, und solche B├╝cher, die uns gl├╝cklich machen, k├Ânnten wir zur Not selber schreiben. Wir brauchen aber die B├╝cher, die auf uns wirken wie ein Ungl├╝ck, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in W├Ąlder versto├čen w├╝rden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch mu├č die Axt sein f├╝r das gefrorene Meer in uns. Das glaube ich.
Brief an Oskar Pollak, 27. Januar 1904
Die Bildung kommt nicht vom Lesen, sondern vom Nachdenken ├╝ber das Gelesene.