1 decade ago in Zitate
Jetzt freue ich mich wieder an den letzten Strahlen der Sonne, ich staune ├╝ber die unerh├Ârte Sch├Ânheit alles dessen, was nicht der Mensch geschaffen hat. Die roten Dahlien am wei├čen Gartentor, die hohen ernsten Tannen und die zitternden goldbehangenen Birken mit ihren jetzt leuchtenden St├Ąmmen vor all dem gr├╝nen und rostfarbenen Laubwerk, die goldene Sonne, die die leuchtende Farbenkraft eines jeden einzelnen Dinges noch erh├Âht, anstatt, wie die gl├╝hende Sommersonne, alles, was sich neben ihr noch regen will, zu erdr├╝cken. Alles ist so zum Staunen sch├Ân, da├č ich noch nicht wei├č, was f├╝r ein Gef├╝hl mein sprachloses Herz daf├╝r entfalten soll, denn f├╝r eine reine Freude daran ist es noch nicht reif genug, es staunt und begn├╝gt sich mit entz├╝cktem Staunen.

Ist es nicht auch R├Ątsels genug, und wenn man den Grund daf├╝r nicht wei├č, beinahe furchterregend, da├č alles so sch├Ân ist? Trotz des Schrecklichen, das geschieht. In meine blo├če Freude an allem Sch├Ânen hat sich etwas gro├čes Unbekanntes gedr├Ąngt, eine Ahnung n├Ąmlich von seinem Sch├Âpfer, den die unschuldigen erschaffenen Kreaturen mit ihrer Sch├Ânheit preisen.

Deshalb eigentlich kann nur der Mensch h├Ą├člich sein, weil er den freien Willen hat, sich von diesem Lobgesang abzusondern. Und jetzt k├Ânnte man oftmals meinen, er br├Ąchte es fertig, diesen Gesang zu ├╝berbr├╝llen mit Kanonendonner und Fluchen und L├Ąstern. Doch dies ist mir im letzten Fr├╝hling aufgegangen, er kann es nicht, und ich will versuchen, mich auf die Seite der Sieger zu schlagen.
Brief an ihre Freundin Lisa Remppis (10.10.1942)
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Alle Kreaturen jagen Gott mit ihrer Liebe, denn es ist kein Mensch so unselig, dass er aus Bosheit s├╝ndigte; sondern er tut es um seiner Lustgier willen. Es schl├Ągt einer einen tot; das tut er nicht, um etwas B├Âses zu tun, sondern es d├╝nkt ihn, er selbst k├Ąme, solange jener lebt, nimmer in sich selbst zum Frieden; darum will er in Frieden Lust suchen, denn Friede bringt Freude. So jagt alle Kreatur Gott mit ihrer Liebe, denn Gott ist die Liebe. So begehren alle Kreaturen der Liebe. W├Ąre ein Stein vern├╝nftig, er m├╝sste Gott mit seiner Liebe jagen. Wer einen Baum fragte, warum er seine Frucht tr├Ągt, wenn er Vernunft h├Ątte, spr├Ąche er: dass ich mich in der Frucht erneuere, das tue ich, um mich von neuem meinem Ursprung zu n├Ąhern; denn dem Ursprung nahe sein, das ist lustvoll. Gott ist der Ursprung und ist Lust und Liebe.
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So unm├Âglich es ist, dass Gott das Wesen verliert, das er ist, so unm├Âglich ist es, dass Gott sein ewiges Wort in Bildern oder in Lauten aussprechen kann.
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Was Gott f├╝r sich selbst ist, das kann niemand begreifen. Gott ist f├╝r sich selbst in allen Dingen, Gott ist alle Dinge in allen Dingen und Gott ist jedem Dinge allzumal alle Dinge. So soll die Seele sein. Gott ist keinem Dinge v├Âllig nichts, Gott ist f├╝r sich selbst nicht v├Âllig nichts, Gott ist nichts, was man in Worte fassen kann.
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Eins ist ein untersagendes Aussagen. Sage ich: Gott ist gut, da wird etwas beigelegt. Eins ist ein untersagendes Aussagen und ein wehrendes Begehren. Was meint Eins? Etwas, dem nichts beigelegt wird. Die Seele nimmt die Gottheit, wie sie in ihr gel├Ąutert ist, wo nichts beigelegt wird, wo nichts gedacht wird. Eins ist Untersagen des Aussagens. Alle Kreaturen haben irgend ein Untersagen in sich; die eine sagt aus, dass es die andre nicht sei; ein Engel sagt aus, dass er nicht eine andere Kreatur sei. Aber Gott hat ein Untersagen alles Aussagens, er ist Eins und untersagt alles andere; denn nichts ist ausser Gott.
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Drei Dinge hindern den Menschen, so dass er Gott in keiner Weise erkennen kann. Das erste ist Zeit, das zweite K├Ârperlichkeit, das dritte Mannigfaltigkeit. Solange diese drei in mir sind, ist Gott nicht in mir und wirkt nicht eigenhaft in mir.
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Den gerechten Menschen ist es so ernst mit der Gerechtigkeit, dass sie, gesetzt den Fall, Gott w├Ąre nicht gerecht, nicht eine Bohne sich um Gott k├╝mmerten.
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Gott kann, was er will, darum hat er dich sich selbst v├Âllig gleich gemacht und dich zu einem Bild seiner selbst gemacht. Aber ┬╗ihm gleich┬ź, das klingt wie etwas Fremdes und etwas Entferntes; darum ist die Seele Gott nicht gleich, sie ist ganz und gar das Gleiche wie er und dasselbe was er ist. Ich weiss und kann nicht weiter, damit sei diese Rede zu Ende.
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W├Ąre nicht Gott in allen Dingen, die Natur wirkte oder begehrte in keinem Dinge etwas; denn es sei dir lieb oder leid, magst du es wissen oder nicht: die Natur in ihrem Innigsten sucht und meinet Gott. Nie w├╝rde ein Mensch, der Durst hat, so sehr nach etwas zu trinken begehren, wenn nicht etwas von Gott darin w├Ąre. Die Natur meinte weder Essen noch Trinken, noch Kleider, noch Bequemlichkeit, noch sonst etwas, wenn nicht Gott darin w├Ąre, und sie jagt und bohrt immer mehr danach, Gott darin zu finden.
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Gott kann ebensowenig Gleichnisse leiden, als er leiden kann, dass er nicht Gott ist. Gleichnis ist das, was nicht an Gott ist. In der Gottheit und in der Ewigkeit ist Einssein, aber Gleichheit ist nicht Einssein. Bin ich eins, so bin ich nicht gleich. Gleichheit ist nicht die Form des Wesens in der Einheit, dieses gibt mir Einssein in der Einheit, nicht Gleichsein.
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Die Werke, die der Mensch von innen wirkt, sind lustvoll, sowohl dem Menschen wie Gott, und sind sanft und heissen lebendige Werke. Sie sind Gott deswegen wert, weil er es allein ist, der die Werke in dem Menschen wirkt, die von innen gewirkt werden. Diese Werke sind auch dem Menschen s├╝ss und sanft, denn alle die Werke sind dem Menschen s├╝ss und lustvoll, wo Leib und Seele mit einander einhellig werden. Und das geschieht in allen solchen Werken. Diese Werke heissen auch lebendige Werke, denn das ist der Unterschied zwischen einem toten Tier und einem lebenden Tier, dass das tote Tier nur von einer ├Ąussern Bewegung bewegt werden kann, das heisst: wenn man es zieht oder tr├Ągt, und darum sind alle seine Werke tote Werke. Aber das lebende Tier bewegt sich selbst, wohin es will, denn seine Bewegung geht von innen aus und alle seine Werke sind lebende Werke. Recht in gleicher Weise heissen alle Werke der Menschen, die ihren Ursprung von innen nehmen, wo Gott allein bewegt, und die von dem Wesen kommen, unsere Werke und g├Âttliche Werke und n├╝tzliche Werke. Aber alle die Werke, die aus einer ├Ąusseren Ursache und nicht aus dem innern Wesen geschehen, die sind tot und sind nicht g├Âttliche Werke und sind nicht unsere Werke. Auch spricht Meister Eckhart, dass alle die Werke, die der Mensch von innen wirkt, willk├╝rliche Werke sind. Was nun willk├╝rlich ist, das ist angenehm, und darum sind alle Werke, die von innen geschehen, angenehm, und alle die Werke, die infolge ├Ąusserer Bewegung geschehen, sind unwillk├╝rlich und sind knechtisch, denn w├Ąre das Ding nicht, das von aussen bewegt, so gesch├Ąhe das Werk nicht, und darum ist es unwillk├╝rlich und knechtisch und unangenehm.
 1 decade ago in Zitate
Wem in einem anders ist als im andern und wem Gott lieber in einem als im andern ist, der Mensch ist gew├Âhnlich und noch fern und ein Kind. Aber wem Gott gleich ist in allen Dingen, der ist zum Mann geworden. Aber wem alle Kreaturen ├╝berfl├╝ssig und fremd sind, der ist zum Rechten gekommen.
 1 decade ago in Zitate
N├Âtiger w├Ąre ein Lebemeister als tausend Lesemeister; aber lesen und leben ohne Gott, dazu kann niemand kommen. Wollte ich einen Meister von der Schrift suchen, den suchte ich in Paris und in den hohen Schulen hoher Wissenschaft. Aber wollte ich nach vollkommenem Leben fragen, davon k├Ânnte er mir nichts sagen. Wohin sollte ich daf├╝r gehen? Allzumal nirgends anders als in eine nackte entledigte Natur: die k├Ânnte mir kund tun, wonach ich sie in Ehrfurcht fragte. Leute, was sucht ihr an dem toten Gebein? Warum sucht ihr nicht das lebendige Heil, das euch ewiges Leben geben kann? Denn der Tote hat weder zu geben noch zu nehmen. Und sollte ein Engel Gott ohne Gott suchen, so suchte er ihn nirgends anders als in einer entledigten nackten abgeschiedenen Kreatur. Alle Vollkommenheit liegt daran, dass man Armut und Elend und Schmach und Widerw├Ąrtigkeit und alles, was dir zustossen und dich bedr├╝cken kann, willig, fr├Âhlich, frei, begierig und bereit und unbewegt leiden kann und bis an den Tod dabei bleiben ohne alles Warum.
 1 decade ago in Zitate
Gottes Natur ist, dass er gibt, und sein Wesen h├Ąngt daran, dass er uns gibt, wenn wir dem├╝tig sind. Sind wir das nicht, so empfangen wir auch nichts und tun ihm Gewalt an und t├Âten ihn. Wenn die Seele der Zeit und des Raumes ledig ist, so sendet der Vater seinen Sohn in die Seele.
"Von guten Gaben"
 1 decade ago in Zitate
Und wisse in Wahrheit, ist dir mehr an deiner eigenen Ehre als an der eines andern gelegen, so ist es unrecht. Wisse, wenn du das deine suchst, da findest du Gott nimmer, wenn du nicht rein Gott suchst. Du suchst etwas mit Gott, und tust gerade so wie wenn einer aus Gott eine Kerze machte, mit der man etwas sucht, und wenn man das Ding findet, so wirft man die Kerze weg. So tust du: was du mit Gott suchst, das ist nichts, Nutzen, Lohn, Innerlichkeit oder was es auch sei; du suchst nichts, darum findest du auch nichts. Alle Kreaturen sind lauter Nichts. Ich sage nicht, dass sie gering sind oder wenig sind: sie sind gar nichts. Wer kein Sein hat, ist nichts. Alle Kreaturen haben kein Sein, denn ihr Sein h├Ąngt an der Gegenwart Gottes. Kehrte sich Gott einen Augenblick ab, sie w├╝rden zunichte. Ich sprach manchmal und so ist es auch: Wer die ganze Welt n├Ąhme und Gott dazu, der h├Ątte nicht mehr als wenn er Gott allein h├Ątte.
"Von guten Gaben"
 1 decade ago in Zitate
Das geringste kreat├╝rliche Bild, das sich in dir bildet, ist ebenso gross wie Gott. Warum? Weil es dich eines ganzen Gottes beraubt. Denn wo dies Bild hineingeht, da muss Gott und seine ganze Gottheit weichen. Aber wo dies Bild hinausgeht, da geht Gott hinein. Gott begehrt so gewaltig danach, dass du aus dir selbst, in kreat├╝rlicher Weise, hinausgehst, als ob all seine Seligkeit daran liege. F├╝rwahr, lieber Mensch, was schadet es dir, dass du Gott g├Ânnest, dass er Gott in dir sei?
"Vom innersten Grunde"
 1 decade ago in Zitate
Daher schweig und schwatze nicht von Gott, denn damit, dass du von ihm schwatzest, l├╝gst du, tust also S├╝nde. Willst du nun ohne S├╝nde sein und vollkommen, so schwatze nicht von Gott. Du sollst auch nichts verstehen unter Gott, denn Gott ist ├╝ber allem Verstehen. Es sagt ein Meister: H├Ątte ich einen Gott, den ich verstehen k├Ânnte, ich wollte ihn nimmer f├╝r Gott halten. Verstehst du nun etwas unter ihm, davon ist er nichts, und damit, dass du etwas unter ihm verstehst, kommst du in eine Unverstandsamkeit, und von der Unverstandsamkeit kommst du in eine Tierheit; denn was an den Kreaturen unverst├Ąndig ist, das ist tierisch. Willst Du nicht tierisch werden, so verstehe nichts von dem ungeworteten Gotte. ┬╗Ach, wie soll ich denn tun?┬ź Du sollst ganz und gar entsinken deiner Deinheit und sollst zerfliessen in seine Seinheit und es soll dein Dein in seinem Mein ein Mein werden, so g├Ąnzlich, dass du mit ihm ewiglich verstehst seine ungewordene Istigkeit und seine ungenannte Nichtheit.
"Von der Erneuerung des Geistes"
 1 decade ago in Zitate
Ich dachte manchmal, wenn ich mich im Freien erging, der Mensch k├Ânne mit der Zeit dazu kommen, dass er Gott zwingen kann. W├Ąre ich hier oben und spr├Ąche zu ihm: ┬╗Komm herauf!┬ź das w├Ąre schwer. Aber spr├Ąche ich: ┬╗Setz dich hier nieder!┬ź das w├Ąre leicht. So tut Gott. Wenn der Mensch sich dem├╝tigt, so kann Gott in seiner G├╝te sich nicht enthalten, er muss sich neigen und in den dem├╝tigen Menschen ergiessen, und dem Allergeringsten gibt er sich mit seinem Allermeisten und gibt sich ganz und gar. Was Gott gibt, das ist sein Wesen, und sein Wesen ist seine G├╝te, und seine G├╝te ist seine Liebe. Alles Leid und alle Freude kommt von der Liebe.
"Von Gott und der Welt"