9 years ago in Quotes
Every revolution evaporates and leaves behind only the slime of a new bureaucracy.
 10 years ago in Quotes
The easy possibility to write letters must - seen theoretically - have brought a terrible disruption of the souls into the world. It is communication with ghosts, and not just with the ghost of the receiver, but with one's own ghost as well, which develops under the hand in the letter one is writing, or even in a series of letters, where on letter substantiates the other and can call on it as witness. How could the idea come up that humans can communicate with each other through letters! One can think of a person that is far away, or touch a person that is close by, everything else is above the power of humans. But writing letters means to bare oneself in front of the ghosts, which they are greedily waiting for. Written kisses don't arrive at their place, but get drunk up by the ghosts on the way. Because of this plentiful food they multiply so outrageously. Humanity is feeling that and fighting against it, it has, to disable the ghostly between humans, and to achieve the natural communication, the peace of souls, invented the train, the car, the airplane, but it's too late, apparently they are inventions made while falling, the opponent is so much calmer and stronger, and invented after mail the telegraph, the telephone, wireless telegraphy. The ghosts won't starve, but we will perish.
letter to Milena Jesenská (March 1922)
 1 decade ago in Zitate
Verbringe die Zeit nicht mit der Suche nach einem Hindernis. Vielleicht ist keines da.
 1 decade ago in Quotes
You can hold yourself back from the sufferings of the world, that is something you are free to do and it accords with your nature, but perhaps this very holding back is the one suffering you could avoid.
 1 decade ago in Quotes
We are as forlorn as children lost in the wood. When you stand in front of me and look at me, what do you know of the griefs that are in me and what do I know of yours? And if I were to cast myself down before you and tell you, what more would you know about me that you know about Hell when someone tells you it is hot and dreadful? For that reason alone we human beings ought to stand before one another as reverently, as reflectively, as lovingly, as we would before the entrance to Hell.
 1 decade ago in Zitate
Einsiedelei ist widerlich, man lege seine Eier ehrlich vor aller Welt, die Sonne wird sie ausbr├╝ten; man bei├če lieber ins Leben statt in seine Zunge; man ehre den Maulwurf und seine Art, aber man mache ihn nicht zu seinem Heiligen.
Brief an Oskar Pollak, 6. September 1903
 1 decade ago in Zitate
Nur dadurch, dass die Menschen alle Kr├Ąfte spannen und einander liebend helfen, erhalten sie sich in einer leidlichen H├Âhe ├╝ber einer h├Âllischen Tiefe, nach der sie wollen. Untereinander sind sie durch Seile verbunden, und b├Âs ist es schon, wenn sich um einen die Seile lockern und er ein St├╝ck tiefer sinkt als die andern in den leeren Raum, und gr├Ą├člich ist es, wenn die Seile um einen rei├čen und er jetzt f├Ąllt. Darum soll man sich an die andern halten. Ich habe die Vermutung, dass die M├Ądchen uns oben halten, weil sie so leicht sind, darum m├╝ssen wir die M├Ądchen lieb haben und darum sollen sie uns lieb haben.
Brief an Oskar Pollak, 20. Dezember 1903
 1 decade ago in Zitate
Die leichte M├Âglichkeit des Briefeschreibens mu├č - blo├č theoretisch angesehn - eine schreckliche Zerr├╝ttung der Seelen in die Welt gebracht haben. Es ist ja ein Verkehr mit Gespenstern und zwar nicht nur mit dem Gespenst des Adressaten, sondern auch mit dem eigenen Gespenst, das sich einem unter der Hand in dem Brief, den man schreibt, entwickelt oder gar in einer Folge von Briefen, wo ein Brief den andern erh├Ąrtet und sich auf ihn als Zeugen berufen kann. Wie kam man nur auf den Gedanken, dass Menschen durch Briefe mit einander verkehren k├Ânnen! Man kann an einen fernen Menschen denken und man kann einen nahen Menschen fassen, alles andere geht ├╝ber Menschenkraft. Briefe schreiben aber hei├čt, sich vor den Gespenstern entbl├Â├čen, worauf sie gierig warten. Geschriebene K├╝sse kommen nicht an ihren Ort, sondern werden von den Gespenstern auf dem Wege ausgetrunken. Durch diese reichliche Nahrung vermehren sie sich ja so unerh├Ârt. Die Menschheit f├╝hlt das und k├Ąmpft dagegen, sie hat, um m├Âglichst das Gespenstische zwischen den Menschen auszuschalten, und den nat├╝rlichen Verkehr, den Frieden der Seelen zu erreichen, die Eisenbahn, das Auto, den Aeroplan erfunden, aber es hilft nichts mehr, es sind offenbar Erfindungen, die schon im Absturz gemacht werden, die Gegenseite ist soviel ruhiger und st├Ąrker, sie hat nach der Post den Telegraphen erfunden, das Telephon, die Funkentelegraphie. Die Geister werden nicht verhungern, aber wir werden zugrundegehn.
Brief an Milena Jesensk├í, M├Ąrz 1922
 1 decade ago in Zitate
Er hat viele Richter, sie sind wie ein Heer von V├Âgeln, das in einem Baum sitzt. Ihre Stimmen gehen durcheinander, die Rang- und Zust├Ąndigkeitsfragen sind nicht zu entwirren, auch werden die Pl├Ątze fortw├Ąhrend gewechselt. Einzelne erkennt man aber doch wieder heraus, zum Beispiel einen, welcher der Meinung ist, man m├╝sse nur einmal zum Guten ├╝bergehn und sei schon gerettet ohne R├╝cksicht auf die Vergangenheit und sogar ohne R├╝cksicht auf die Zukunft. Eine Meinung, die offenbar zum B├Âsen verlocken mu├č, wenn nicht die Auslegung dieses ├ťbergangs zum Guten sehr streng ist. Und das ist sie allerdings, dieser Richter hat noch nicht einen einzigen Fall als ihm zugeh├Ârig anerkannt. Wohl aber hat er eine Menge Kandidaten um sich herum, ein ewig plapperndes Volk, das ihm nach├Ąfft. Die h├Âren ihn immer...
"Er", 14. Januar 1920
 1 decade ago in Quotes
He has the feeling that merely by being alive he is blocking his own way. From this sense of hindrance, in turn, he deduces the proof that he is alive.
"Aphorisms"
 1 decade ago in Zitate
Abends, halb elf.
Ich schiebe den Marc Aurel zur Seite, ich schiebe ihn schwer zur Seite. Ich glaube, ich k├Ânnte jetzt ohne ihn nicht leben, denn schon zwei, drei Spr├╝che, im Marc Aurel gelesen, machen gefa├čter und straffer, wenn auch das ganze Buch nur von einem erz├Ąhlt, der mit klugem Wort und hartem Hammer und weitem Ausblick sich zu einem beherrschten, ehernen, aufrechten Menschen machen m├Âchte. Aber man mu├č gegen einen Menschen ungl├Ąubig werden, wenn man immerfort h├Ârt, wie er zu sich redet: "Sei doch ruhig, sei doch gleichg├╝ltig, gib die Leidenschaften dem Wind, sei doch standfest, sei doch ein guter Kaiser!" Gut ist es, wenn man sich vor sich selbst mit Worten zusch├╝tten kann, aber noch besser ist es, wenn man sich mit Worten ausschm├╝cken und beh├Ąngen kann, bis man ein Mensch wird, wie man es im Herzen w├╝nscht.
Brief an Oskar Pollak, 10. Januar 1904
 1 decade ago in Quotes
Altogether, I think we ought to read only books that bite and sting us. If the book does not shake us awake like a blow to the skull, why bother reading it in the first place? So that it can make us happy, as you put it? Good God, we'd be just as happy if we had no books at all; books that make us happy we could, in a pinch, also write ourselves. What we need are books that hit us like a most painful misfortune, like the death of someone we loved more than ourselves, that make us feel as though we had been banished to the woods, far from any human presence, like a suicide. A book must be the ax for the frozen sea within us. That is what I believe.
Letter to Oskar Pollak, January 27th 1904
 1 decade ago in Quotes
I can understand the hesitation of my generation, indeed it is no longer mere hesitation; it is the thousandth forgetting of a dream dreamt a thousand times and forgotten a thousand times; and who can damn us merely for forgetting for the thousandth time?
"Investigations of a Dog"
 1 decade ago in Quotes
My life is a hesitation before birth.
Diary, 24th January 1922
 1 decade ago in Quotes
The fact that there is nothing but a spiritual world deprives us of hope and gives us certainty.
"Reflections on Sin, Suffering, Hope, and the True Way", #62
 1 decade ago in Quotes
There is a goal, but no way; but what we call a way is hesitation.
"Reflections on Sin, Suffering, Hope, and the True Way", #26
 1 decade ago in Zitate
Aber es tut gut, wenn das Gewissen breite Wunden bekommt, denn dadurch wird es empfindlicher f├╝r jeden Bi├č. Ich glaube, man sollte ├╝berhaupt nur solche B├╝cher lesen, die einen bei├čen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Sch├Ądel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns gl├╝cklich macht, wie Du schreibst? Mein Gott, gl├╝cklich w├Ąren wir eben auch, wenn wir keine B├╝cher h├Ątten, und solche B├╝cher, die uns gl├╝cklich machen, k├Ânnten wir zur Not selber schreiben. Wir brauchen aber die B├╝cher, die auf uns wirken wie ein Ungl├╝ck, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in W├Ąlder versto├čen w├╝rden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch mu├č die Axt sein f├╝r das gefrorene Meer in uns. Das glaube ich.
Brief an Oskar Pollak, 27. Januar 1904
 1 decade ago in Zitate
Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was wei├čt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was wei├č ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen w├╝rde und weinen und erz├Ąhlen, was w├╝sstest Du von mir mehr als von der H├Âlle, wenn Dir jemand erz├Ąhlt, sie ist hei├č und f├╝rchterlich. Schon darum sollten wir Menschen voreinander so ehrf├╝rchtig, so nachdenklich, so liebend stehn wie vor dem Eingang zur H├Âlle.
 1 decade ago in Zitate
Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg. Das, was wir Weg nennen, ist Z├Âgern.
 1 decade ago in Zitate
Was bedeuten die gestrigen Feststellungen heute? Bedeuten das gleiche wie gestern, sind wahr, nur da├č das Blut in den Rinnen zwischen den gro├čen Steinen des Gesetzes versickert.
Tagebuch 19.1.1922