node created 2019/09/29
Mein politisches Ideal ist das demokratische. Jeder soll als Person respektiert und keiner vergöttert sein. Eine Ironie des Schicksals, dass die anderen Menschen mir selbst viel zuviel Bewunderung und Verehrung entgegengebracht haben, ohne meine Schuld und ohne mein Verdienst.
"Wie ich die Welt sehe"
Ich bin zwar im tĂ€glichen Leben ein typischer EinspĂ€nner, aber das Bewusstsein, der unsichtbaren Gemeinschaft derjenigen anzugehören, die nach Wahrheit, Schönheit und Gerechtigkeit streben, hat das GefĂŒhl der Vereinsamung nicht aufkommen lassen. Das Schönste und Tiefste, was der Mensch erleben kann, ist das GefĂŒhl des Geheimnisvollen. Es liegt der Religion sowie allem tieferen Streben in Kunst und Wissenschaft zugrunde. Wer dies nicht erlebt hat, erscheint mir wenn nicht wie ein Toter, so doch wie ein Blinder. Zu empfinden, dass hinter dem Erlebbaren ein fĂŒr unseren Geist Unerreichbares verborgen sei, dessen Schönheit und Erhabenheit uns nur mittelbar und in schwachem Widerschein erreicht, - das ist ReligiositĂ€t. In diesem Sinne bin ich religiös. Es ist mir genug, diese Geheimnisse zu ahnen und zu versuchen, von der erhabenen Struktur des Seienden in Demut ein mattes Abbild geistig zu erfassen.
Meine ReligiositĂ€t besteht in einer demĂŒtigen Bewunderung des unendlich ĂŒberlegenen Geistes, der sich in dem wenigen offenbart, was wir mit unserer schwachen und hinfĂ€lligen Vernunft von der Wirklichkeit zu erkennen vermögen. Moral ist eine höchst wichtige Sache, aber fĂŒr uns, nicht fĂŒr Gott.
Das Wesentliche im Dasein eines Menschen von meiner Art liegt in dem, was er denkt und wie er denkt, nicht in dem was er tut oder erleidet.
Wer von der kausalen GesetzmĂ€ĂŸigkeit allen Geschehens durchdrungen ist, fĂŒr den ist die Idee eines Wesens, welches in den Gang des Weltgeschehens eingreift, ganz unmöglich - vorausgesetzt allerdings, dass er es mit der Hypothese der KausalitĂ€t wirklich ernst meint. Die Furcht-Religion hat bei ihm keinen Platz, aber ebensowenig die soziale bzw. moralische Religion. Ein Gott, der belohnt und bestraft, ist fĂŒr ihn schon darum undenkbar, weil der Mensch nach Ă€ußerer und innerer gesetzlicher Notwendigkeit handelt, vom Standpunkt Gottes aus also nicht verantwortlich wĂ€re, sowenig wie ein lebloser Gegenstand fĂŒr die von ihm ausgefĂŒhrten Bewegungen. Man hat deshalb schon der Wissenschaft vorgeworfen, dass sie die Moral untergrabe, jedoch gewiss mit Unrecht. Das ethische Verhalten des Menschen ist wirksam auf MitgefĂŒhl, Erziehung und soziale Bindung zu grĂŒnden und bedarf keiner religiösen Grundlage. Es stĂŒnde traurig um die Menschen, wenn sie durch Furcht vor Strafe und Hoffnung auf Belohnung nach dem Tode gebĂ€ndigt werden mĂŒssten.
"Religion und Wissenschaft"