node created 2019/09/29

Der blinde Knabe

O ihr Tage meiner Kindheit,
Nun dahin auf immerdar,
Da die Seele noch in Blindheit,
Noch voll Licht das Auge war:
Meine Blicke lie├č ich schweifen
Jedem frei ins Angesicht;
Glauben galt mir f├╝r Begreifen
Und Gedanken kannt ich nicht.

Ich begann jedoch zu sinnen
Und zu gr├╝beln hin und her,
Und in meiner Seele drinnen
Schwoll ein wildemp├Ârtes Meer.
Meine Blicke senkt ich nieder,
Schaute tief in mich hinein
Und erhob sie nimmer wieder
Zu dem goldnen Sonnenschein.

Mu├čt ich doch die Welt verachten,
Die mir Gottes Garten schien,
Denn die Guten l├Ą├čt er schmachten,
Und die B├Âsen preisen ihn.
Freude, Lust und Ruh vergehen ÔÇô
Oh, wie wohl war einst dem Kind!
Meine Seele hat gesehen,
Meine Augen wurden blind!
Den gerechten Menschen ist es so ernst mit der Gerechtigkeit, dass sie, gesetzt den Fall, Gott w├Ąre nicht gerecht, nicht eine Bohne sich um Gott k├╝mmerten.
Hinter dem technologischen Schleier, hinter dem politischen Schleier der Demokratie zeigt sich die Realit├Ąt: die universale Knechtschaft, der Verlust menschlicher W├╝rde bei vorfabrizierter Wahlfreiheit. Und die Machtstruktur tritt nicht mehr 'sublimiert' auf im Stil einer liberalistischen Kultur, nicht einmal mehr heuchlerisch (so da├č sie zumindest die 'F├Ârmlichkeiten', die H├╝lse von W├╝rde, beibehielte), sondern brutal, indem sie allen Anspruch auf Wahrheit und Gerechtigkeit ├╝ber Bord wirft.
"Konterrevolution & Revolte" (1973)